• Lisa Angelina Goertz

Fair bezahlte (Green-) Blogger - eine Sache der Ausrichtung


Vorab möchte ich festhalten: Ich weiß nicht, ob ich wirklich fair bezahlt bin, denn ich habe keine Vergleiche und Statistiken ausgewertet, aus denen klare Preisempfehlungen für Dienstleistungen wie Werbung hervorgehen. Aber ich kann sagen, dass ich so bezahlt werde, dass es mir meine Arbeit wert ist, ich es gerne tue und meine Bereitschaft und Motivation antreibt. Und das ist für mich viel wichtiger, als Vergleiche zu anderen zu ziehen, die nicht das eigene Leben betreffen. Blogger-Marketing ist meiner Ansicht nach etwas sehr individuelles, denn hinter jedem digitalen Blog steht immer eine reale Person mit unterschiedlichen Stärken und Qualifikationen, die berücksichtigt werden müssen, wenn es um die Zusammenarbeit mit Firmen geht, die ihre Produkte bestmöglich vermarktet haben möchten. Ein Foodblogger, der gleichzeitig auch Ausbildungen in Ernährungswissenschaften mit medizinischen Skills hat, muss für dieses Wissen auch zusätzlich bezahlt werden, wenn es in einer Zusammenarbeit produktrelvant ist, neben den klassischen Parametern wie der Reichweite eines Kanals. Ebenso wie ein Reiseblogger mit ergänzenden journalistischen oder fotographischen Fähigkeiten.

2020 - ein ausschlaggebendes Jahr

Für mich hat das Jahr 2020 einen entscheidenen Schritt in die richtige Richtung bewirkt, dass meine Arbeit als Bloggerin fair und angemessen bezahlt werden muss, weil es meine Zeit, Energie und mein Wissen ist, das ich dabei einsetze!

Durch die nicht vorhersehbare Pandemie und die dadurch entstandenen, weltweiten Lockdowns habe ich mich mit Millionen anderer Menschen Mitte März 2020 von jetzt auf gleich in einer Situation befunden, die wahrscheinlich niemand vorher überhaupt als möglich gedacht hat. Bis dahin habe ich mein Leben wunderbar, abwechslungsreich, spannend und überwiegend offline bestreiten können und war mit meinen Qualifikationen gut aufgestellt, um auch nach meinem Umzug von der quirligen Großstadt zurück aufs ruhige Land lokal und zugleich national arbeiten und mir meine unterschiedlichen Projekte und damit die Entscheidung beruflich zu reisen, aussuchen zu können. Soweit so gut - Im März 2020 wurde alles, das ist bis dahin beruflich getan, studiert und gelernt hatte von jetzt auf gleich gesetzlich verboten. Kunst, Kultur und Yoga in jeglicher Form sowie viele weitere Branchen mussten sich strengen Kontaktverboten beugen und wie sich rückblickend nun sagen lässt, hält dieser Prozess (Stand April 2021) seit über einem Jahr fast durchgehend und immer noch an. Ziemlich schnell hatte sich anfangs herausgestellt, dass ich von den versprochenen Corona-Rettungsschirm-Paketen vom Staat nichts sehen werde, und zunächst von meinen Ersparnissen als Selbstständige leben muss. Längerfristig musste also unbedingt eine unabhängige Lösung her. Unabhängigkeit - schon immer ein essentieller Begriff in meinem Leben, der mir auch in dieser Lebensphase unumstritten wichtig für meine persönliche Situation erschien und bei dem ich keinerlei Einschnitte eingehen wollte.

Meine schnelle Anpassung, meine Energie und positive Einstellung zum Leben haben mir in kürzester Zeit geholfen, eine Lösung zu finden. Etwas in mir, auf das ich mich schon immer verlassen konnte und mir eine Urvertrauen und Sicherheit schenkt, das mir keine Versicherung geben kann.

Umschwung, neue Wege und Mindset

Die einzig denkbare und erlaubte Lösung lag also im Online-Business. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich digital eigentlich nur nebenher meinen Blog betrieben und ansonsten das Nötigste im Netz erledigt. Etwas, das mir Spaß machte, mir ein kleines Nebeneinkommen eingetrieben hat, und mir in erster Linie die Möglichkeit gab, für mich wichtige Themen wie Veganismus, Nachhaltigkeit und Tierschutz einzusetzen und diese Werte in die Welt zu tragen. Und da das Onlinegeschäft plötzlich eines der wenigen Dinge war, die beruflich überhaupt noch möglich waren, war für mich schnell klar, dass ich den Versuch starten werde, meine Arbeit schnellstmöglich so digital zu organisieren, dass sie mich in diesem besonderen Jahr des Umbruches ernähren und meine laufenden Kosten decken kann. Erfolgreich! In den kurzen Phasen der Lockerung im Sommer 2020 habe ich offline so viel wie möglich unterrichtet, um die lange Durststrecke von davor etwas einzuholen und mich ansonsten vollzeit der Entwicklung meines Online-Business und Weiterbildungen gewidmet und währenddessen meine Einstellung zu meiner Tätigkeit als Bloggerin radikal geändert!

Zuvor stand die "Gute Sache" der Themen im Vordergrund und das "Nebenher-Bloggen" war eine leichte und freudige Angelegenheit. Da das Aktivieren eines Blogs mit rund 14.000 Followern von einem Nebenverdienst zu einem kleinen Haupteinkommen jedoch eine Mammutaufgabe ist, von dessen Versuch ich selber nicht sicher war, ob soetwas überhaupt klappen kann, stand schnell fest, dass ich meine Zeit von nun an gut einteilen und strukturieren musste und ich es mir nicht leisten konnte, unbezahlte Werbung für Unternehmen zu machen, die mir dafür ihre Sachen kostenlos nach Hause schickten. Zudem bin und war ich nie daran interessiert, viele Dinge zu besitzen, die ich nicht zum Leben brauche und mich als unnötiges "Reisegepäck" hier auf dieser Erde nur beschweren. Jeder Tag hat begrenzte Stunden und damit die Work-Life-Balance im neuen Alltag funktionierte, musste ich mir genau überlegen, womit ich meine Zeit verbringe und womit nicht. Ich wurde immer effektiver, habe immer klarere Vorstellungen entwickelt, was ich möchte und was nicht, und habe dabei meine Socialmedia- und Digitalzeit radikal verkürzt, obwohl dieser Onlineort jetzt mein Hauptarbeitsplatz war. Das klappte allein durch die Entscheidung, meine digitale Zeit produktiv den Dingen zu widmen, die ich vorantreiben wollte! Zu Firmen, die mir die für Blogger bekannten Sätze geschrieben haben wie: "Wir sind ein junges Start-Up und können leider noch nicht viel oder gar nichts bezahlen." oder "Da wir unseren Fokus auf nachhaltige Produkte und einen guten Zweck legen, sind wir auf 'Werbung aus Überzeugung' angewiesen und können dafür kein Geld bezahlen." habe ich eine sofortige Absage erteilt und mich nicht lange mit Verhandlungen aufgehalten. Ich habe begonnen, mir zu überlegen, was mir meine Zeit und Arbeit, die ich in Blogger-Projekte stecke, wert ist und habe danach klare Angebote rausgeschickt, anstatt mir von Firmen einen Vorschlag machen zu lassen. Die Not macht bekanntlich erfinderisch, und dieser Prozess hat sich rückblickend als das einzig Richtige herausgestellt. Denn wer Werbung möchte, aber dafür nicht fair und auf Augenhöhe bezahlen möchte, dem kann zumindest ich nicht mehr weiter helfen! Budget für Werbung hat jedes gewinnorientierte Unternehmen und sei es noch so in den Anfängen. Ohne die Bewerbung von zu verkaufenden Produkten läuft nämlich nichts. Weder offline, noch online. Und jemand, der Werbung macht, steckt seine Zeit und Arbeit in den Profit anderer! Das sollte jedem bewusst sein, der sich mit dem Thema näher auseinandersetzt!

Die neue Normalität

Mittlerweile ist es für mich total normal geworden, meine Preise und Angebote selbstbewusst an potentielle Kunden raus zu schicken und Verhandlungen nur so weit einzugehen, wie sie mir meine Arbeit wert sind. Dass das einigen Firmen und Marketing-Managern/innen nicht passt, gehört genauso zu diesem Job dazu wie Kooperationspartner, die ohne Versuch, den Preis weiter zu drücken, gerne eine fair bezahlte Zusammenarbeit eingehen und alles sehr professionell und freundlich abläuft. Wer mit wem am Ende unter welchen Bedingungen zusammenarbeitet, muss sowieso jeder für sich selbst entscheiden!


In dieser intensiven, digitalen Zeit habe ich für mich erkannt, das dieser Weg auch für mich die Zukunft sein wird, ob man es mag oder nicht, und ich mir überlegen sollte, wie ich langfristig dabei mitspielen möchte. Neben dem Blog habe ich für meine Coachings Online-Programme entwickelt, beratende Tätigkeiten für große Unternehmen in Bezug Pflanzlicher Ernährung und Umweltfreundlichkeit aufgenommen und mit der fliegenden Zeit die digitalen Vorteile mögen gelernt! Den Satz, dass man online einen größeren Kreis an Menschen erreichen kann, habe ich früher mit Unpersönlichkeit verbunden und wurde in den letzten Monaten vom Leben positiv mit vielen tollen, inspirierenden und intensiven Kontakten vom Gegenteil überzeugt. Man muss den Dingen eben einfach eine Chance geben, um sich ein ehrliches Bild machen zu können. Letztendlich bin ich sehr happy, dass ich es geschafft habe, mich in dieser außergewöhnlichen Zeit nicht nur aus eigenen Kräften über Wasser zu halten, um mein Leben und alle damit verbunden Kosten für mich, meine Wohnung, meinen Hund, meine Altersvorsorge und Versicherungen weiter leisten zu können, sondern mich auch zusammen mit dieser neuen Zeit weiterzuentwickeln. Chancen sind immer da, wenn man sie sehen möchte! Langfristig blicke ich mit dieser zusätzlichen Erfahrung im Lebensgepäck gespannt in die Zukunft, freue mich darauf, irgendwann auch wieder offline, ganz persönlich und nah Menschen auf beruflicher Ebene treffen zu dürfen und die digitale Welt als wunderbare Ergänzung so wie sie jetzt geworden ist, weiterzuführen ♥



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